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Die Schule des Jahres 2015

Foto: Max Lautenschläger
Preisverleihung mit Bundeskanzlerin Merkel in Berlin

Die Gesamtschule Barmen in Wuppertal, Nordrhein-Westfalen, hat den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis 2015 gewonnen. Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte die Auszeichnung am 10. Juni 2015 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin an Schüler und Lehrer der Gesamtschule. Fünf weitere Preise für hervorragende Leistungen gingen an Schulen in Bremen, Hamburg, Rostock, Flensburg und Würzburg.

Für den Erziehungswissenschaftler Professor Michael Schratz von der Universität Innsbruck, Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises, ist die Konsequenz im Unterricht ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts der Gesamtschule Barmen in Wuppertal: "Die Lehrer fordern die Kinder und Jugendlichen heraus, sie führen sie gezielt an ihre Leistungsgrenzen – und darüber hinaus." Dazu setzen die Lehrer verschiedene Methoden des individuellen Lernens ein: Wochenplan- und Portfolioarbeit, Präsentationen, Partner- und Gruppenarbeit.

Hervorragendes Schulklima

Besonders beeindruckt hat die Jury das hervorragende Schulklima. Jeder Schüler ist für irgendetwas verantwortlich: sei es als Pate, Medienscout oder Schulsanitäter. "Ich habe selten eine Schule erlebt, an der Schüler, Lehrer und Eltern so respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen", lobt Schratz. "Andere Schulen können von der Gesamtschule Barmen lernen, wie Partizipation und Teilhabe in exzellenter Weise gelebt werden."

Vier weitere Preise in Höhe von je 25.000 Euro erhielten die Grundschule am Buntentorsteinweg Bremen, das GanztagsGymnasium Klosterschule Hamburg, die Jenaplanschule Rostock und die Waldschule – Grundschule der Stadt Flensburg. Der ebenfalls mit 25.000 Euro dotierte "Preis der Jury" ging an die Berufsschule – Don Bosco – Beratungszentrum Würzburg. Alle Nominierten, die nicht zu den Preisträgern gehören, erhielten einen Anerkennungspreis von jeweils 2.000 Euro.

Bei ihrer Entscheidung bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution. Die Robert Bosch Stiftung vergibt den Deutschen Schulpreis seit dem Jahr 2006 gemeinsam mit der Heidehof Stiftung. Medienpartner sind der stern und die ARD. Seit dem Start des Programms haben sich über 1.500 Schulen für den Preis beworben.
Dennis Wilms ist seit 2010 Moderator des Deutschen Schulpreises und bezeichnet sich selbst als Fan.
  • Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurück denken, an welche (positiven) Erlebnisse erinnern Sie sich am liebsten?

Dennis Wilms: An eine tolle Gemeinschaft unter uns Schülern. Wir waren ein Jahrgang, der trotz seiner... sagen wir „Lebhaftigkeit“... immer einen guten Draht zu den Lehrern hatte. Unvergessen ist unser Abi-Streich, bei dem wir die ganze Schule mit einer Museumseisenbahn an den Schönberger Strand „entführten“ und eine riesige Beach-Party feierten. Davon spricht die Schule noch heute.

  • Gab es auch etwas, das Ihnen richtig gegen den Strich ging?

Ich hatte in der Mittelstufe einen sehr tollen, engagierten, jungen Physiklehrer, Herrn Boysen, der leider in der Oberstufe von einem älteren „Frontalunterricht-Haudegen“ abgelöst wurde. Dieser Wechsel hatte dann die Konsequenz, dass auch meine Begeisterung für das Fach signifikant nachließ und ich den Leistungskurs Physik gegen den LK Französisch eintauschte. Das bereue ich bis heute. Es zeigt, wie wichtig gute Lehrerpersönlichkeiten für den Lebensweg von Schülern sind.

  • Was - auch im Rückblick auf die Schulzeit - hat Sie für Ihren Werdegang geprägt?

Natürlich zum einen der Stoff, der vermittelt wurde, aber auch die sozialen Verbindungen unter uns Schülern und auch die zu unseren Lehrern. Ich hatte damals eine super Tutorin, Frau Raetzell, die sogar auf die Konzerte meiner Band kam und mit der ich mich bis heute unregelmäßig zum gemeinsamen Frühstück treffe. Als Fernsehjournalist muss man nämlich nicht nur mit Fakten gut umgehen können, sondern auch mit Menschen.

  • Was ist Ihrer Meinung nach das Besondere des Deutschen Schulpreises? Wie wurden Sie zum „Fan“?

Beim Deutschen Schulpreis kann Schule endlich mal zeigen, was sie leisten kann. Und zwar auf ganz großer Bühne. Schule wurde in der Vergangenheit oft schlechtgemacht. Es gibt eine zunehmend kritische Elternschaft, die an einigen Orten das Vertrauen in die Institution Schule verloren hat. Die Nominierten und die Preisträger zeigen, wie gut und wie vielfältig Schule in Deutschland tatsächlich ist. Das lässt sich nämlich nicht nur anhand der PISA-Ergebnisse beurteilen.

Ein anderer wichtiger Punkt, der mich zum „Fan“ gemacht hat, ist das Engagement der Schulpreisfamilie, die hinter dieser Auszeichnung steht. Die Robert Bosch Stiftung, die Heidehof Stiftung, der stern und die ARD setzen viel Kraft daran, diese tolle Würdigung der Schulen jedes Jahr erneut auf die Beine zu stellen. Das Team mit dem ich seit so vielen Jahren arbeiten darf ist klasse, ich freue mich jedes Jahr auf diese besondere Zeit.

  • Das Wissen spielt in Ihren Sendungen eine wichtige Rolle. Mit welchen drei Indikatoren beschreiben Sie „gute Schule“?

1. Zeitgemäß aufbereiteter Stoff, der praxisnah vermittelt wird.
2. Lehrerpersönlichkeiten, die es verstehen sowohl Teampartner als auch Respektsperson zu sein.
3. Hohe Kompetenz in der Integration aller Schüler, egal welcher Begabung, Leistungsbereitschaft und Herkunft.

  • Was wünschen Sie dem Deutschen Schulpreis und den Schülerinnen und Schülern für die Preisverleihung am Mittwoch?

Natürliche einen Preis ;-) Und eine tolle, spannende TV-Erfahrung sowie eine wunderbare kleine „Klassenfahrt“ nach Berlin. Lasst es ordentlich krachen. Das hätte ich auf jeden Fall gemacht, wenn ich an Eurer Stelle wäre!

(Interview: Stephanie Ferdinand, Juni 2015)