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"Ich habe in meinem Leben bislang sehr viel Glück gehabt und möchte ein wenig zurückgeben"

Manuel Neuer, Schirmherr des Deutschen Schulpreises, über Teamgeist, die Vereinbarkeit von Schule und Sport und die Arbeit seiner eigenen Stiftung, der Manuel Neuer Kids Foundation.
  • Im Jahr 2006, dem Jahr der Weltmeisterschaft im eigenen Land, hatten Sie gerade das Fachabitur in der Tasche. Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie ein paar Jahre später selbst Weltmeister sind?

"Davon kann man träumen, rechnen aber kann man damit natürlich nicht. Es ist in der Tat für mich in diesen Jahren perfekt gelaufen, wobei ich davon überzeugt bin, dass es für mich nicht nur nervlich eine gute Basis war, dass ich eine abgeschlossene Schulausbildung in der Tasche hatte."

  • Unmittelbar nach dem Ende Ihrer Schulzeit haben Sie Ihr erstes Bundesligaspiel für den FC Schalke 04 absolviert. Wie ist es Ihnen gelungen, Schule und Fußball unter einen Hut zu bringen? 

"Das waren manchmal schon echte Herkulesaufgaben! Natürlich wurde ich von meinen Eltern immer dazu angehalten, der Schule Vorrang zu geben. Mich aber zog es schnellstmöglich auf den Trainingsplatz. Das gab Diskussionen, die ich gar nicht verhehlen möchte. Aber mit einem guten Zeitmanagement und vor allem Konzentration auf die jeweils bevorstehende Aufgabe war das gut möglich."

  • Was hat Sie motiviert, das Fachabitur zu machen? 

"Natürlich gab es damals Phasen, in denen ich dachte, Schule sei nicht so wichtig, das nächste Spiel viel bedeutender. Aber irgendwie wollte ich doch den Schulabschluss in Form des Fachabiturs. Das eigentliche Ziel Abitur war dann aber mit dem Profi-Trainingsplan nicht mehr zu machen. Es liegt vielleicht auch ein wenig in meiner Natur, dass ich Dinge, die ich beginne, gerne auch konsequent bis zum Ende durchziehe, wenn möglich mit Erfolg."

  • Sie sind mehrfacher Deutscher Meister, Champions League-Sieger und Weltmeister. Wie wichtig ist das Team für den Erfolg?

"Das Team steht in jedem Mannschaftssport über allem und jedem. Der Einzelne kann nichts gewinnen. Von daher ist der Fußball eine ganz gute Schule für das normale Leben, in dem man ja auch oft auf die Hilfe anderer angewiesen ist, um weiterzukommen."

  • Als Sportler wissen Sie, dass auch Niederlagen dazugehören. Wie gehen Sie persönlich mit Rückschlägen um? 

"In dem Moment, wo sie passieren, beschäftige ich mich nicht näher damit, weil dann die Konzentration beschädigt würde. Ist das Spiel vorüber, analysiere ich das Geschehene sehr genau, diskutiere mit wenigen Menschen meines Vertrauens, verarbeite alles, ziehe meine Schlüsse und hake es dann endgültig ab."

  • Sie haben 2010 eine eigene Stiftung gegründet, die Manuel Neuer Kids Foundation. Mit welchem Auftrag? 

"Als Kind des Ruhrgebiets habe ich ja tagtäglich erlebt, woran es mangelt. Mir ging es immer gut, wofür ich meinen Eltern sehr dankbar bin. Aber um mich herum konnte ich damals schon feststellen, dass es bei vielen nicht reicht. Da fehlte mal das Pausenbrot und manchmal das Geld für die Klassenfahrt. Ich habe in meinem Leben bislang sehr viel Glück gehabt und möchte ein wenig zurückgeben, in dem ich Kindern und Jugendlichen, denen es nicht so gut geht, helfe und sie unterstütze."

  • 2014 haben Sie das Manus-Kinderhaus in Gelsenkirchen eröffnet. Was erwartet die Kinder und Jugendlichen dort? 

"Ein reichhaltiges Lern- und Spielprogramm unter professioneller Führung. Und gesunde Ernährung."

  • Warum ist Ihnen die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen besonders wichtig?  

"Weil sie oft nichts für die Situation, in welche sie hineingeraten sind, können. Was kann ein Kind dafür, wenn Eltern arbeitslos werden, weil Betriebe schließen? Es entspricht einfach meiner sozialen Einstellung zu helfen. Übrigens: oftmals ohne groß darüber zu sprechen."

  • Sie sind Pate des Deutschen Schulpreises 2017. Warum engagieren Sie sich für dieses Projekt? 

"Die Schulen sind heute im Rahmen ihrer Möglichkeiten angehalten, weit über Schulpläne und ähnliche Vorgaben hinaus, innovativ und kreativ auf die Erziehung der Kinder und Jugendlichen einzuwirken. Das verdient Unterstützung. Und da ich als Sportler immer gerne den Wettbewerbscharakter fördere, habe ich mich für diese Initiative der Robert Bosch Stiftung gerne zur Verfügung gestellt."

(Mai 2017)

Deutscher Schulpreis 2018

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Manuel Neuer ruft Schulen zur Bewerbung für den Deutschen Schulpreis 2018 auf.